Wie jetzt, echt so aufwendig? Einfache Polygonalplatten Verlegung und die Jahre danach.

Wie heißt es so schön! „Nichts ist so beständig wie der Wechsel“ und irgendwie passt das zum Gartenbau, wie der Arsch auf Eimer. Jedenfalls möchte ich aber im Vorhinein betonen, dass man es auf keinen Fall so machen sollte wie ich hier. Außer man möchte Geld sparen und pfeift auf moderne Überlieferungen.

Als ich Anfang der 2000er meine ersten Bruchplatten im Garten meiner Eltern verlegt habe, war die Arbeit noch relativ einfach. Man hatte einfach nicht viel Zeit mit der Recherche verbracht und vertraute einfach auf das, was die Familienoberhäupter (Eltern und Großeltern, meist männlicher Art), gute Bekannte oder Kollegen an Erfahrung mitbrachten. Man selber kannte sich bis dato ja noch nicht allzu gut aus und hielt sich meistens in irgendeiner Form an den Tipps der „Alten“. Im Falle unserer Bruchplatten sah das dann wie folgt aus:

Boden verdichten, eine kräftige Mörtelmischung (1:3 bis 1:4) ansetzen, die Unterseite der Platten mit einer Zementschlempe (ganz dünn angemachter Zement der sich beinahe pinseln lässt) einschmieren, auf das noch feuchte Mörtelbett legen und auf Niveau klopfen. Fertig ist der Boden.

Nach ein paar Tagen kann dann alles mit einer Quarzsand-Trasszement Mischung verfugt werden.

hält seit beinahe zwei Jahrzehnten

Heutzutage ist das Verlegen von Bruchplatten nicht mehr ganz so einfach. Irgendwie möchte man, ach was, heutzutage muss man den Schein eines semiprofessionellen Arbeit erwecken. Also befragt man echte Garten Kapazitäten wie Fliesenleger, Pflasterer oder Landschaftsgärtner, die das dann natürlich ganz anderes machen. Es kommen Sätze wie “Das macht man jetzt aber ganz anders“, oder “so hat man das kurz nach der Eiszeit gemacht, meist gefolgt von hämischen Gelächter. Also zieht man das Internet zu Rate, was dem ganzen natürlich die Krone aufsetzt!

Im Internet hat man als Verfasser das Problem besonders kompetent wirken zu müssen. Sonst hat man Gespött und den Hohn in Form von teils bösartigen Kommentaren. Anders als im Gespräch, kann der Leser jedes einzelnen Wort nachlesen und so ganz akribisch verfolgen was der Autor alles falsch gemacht hat. Das ist bei mir natürlich nicht anders und bevor ich euch erzähle wie stümperhaft ich es gemacht habe, möchte ich euch der „Richtigkeit halber“ die „einzig Wahre“ (man beachte die Gänsefüßchen) Methode der Bruchplattenverlegung erklären.

Einkornmörtel auf Schottertragschicht

Der moderne Gartenbauer erschafft eine bis zur frostsicheren Tiefe reichende und meist aus Mineralbeton verdichteten Untergrund. Soweit ist ja noch alles beim alten geblieben. Auf diesen wird dann aber ein zeitgemäßer und fortschrittlicher Einkorn- oder Drainagenmörtel mit knapp 10cm aufgetragen. Dieser moderne Baustoff soll die anfallende Feuchtigkeit schneller in den Untergrund leiten und somit sicherer gegen plötzlich auftretenden Frost sein. Was sicherlich stimmen kann.

Da so ein Drainagenmörtel relativ mager ist, besitzt er so gut wie keine Hafteigenschaft. Deshalb müssen die Bruchplatten mittels Zahnspachtel und Natursteinkleber auf den Untergrund verklebt werden.

Ich bin mal ganz ehrlich, mein Problem ist der Preis. Dummerweise besitze ich weder Rockefeller noch Onassis in meinem Stammbaum und ein großer Sack Natursteinkleber kostet an die 30€ oder mehr. Möchte ich die 100 qm Natursteinplatten in meinem Garten auf diese Weise verkleben, würde mein Projekt annähernd das doppelte Kosten wie zu Opas Zeiten.

Wie man es auf keinen Fall machen sollte

Immer im Hinterkopf das meine elterlich verklebten Polygonalplatten, also die „low budget Variante“, bis heute ohne nennenswerten Schaden überlebt hat, entschied ich mich für eine Hybrid-Verlegung aus zwei Generationen. Was natürlich ein totaler Reinfall war.

So wurde der Untergrund aus aktuellen Drainagemörtel angefertigt, während für die Haftung eine Schlempe aus Natursteinkleber zum tragen kam. Das hat den Sackhaushalt von etwa 15 Säcken auf nur einen Sack reduziert.

Das sah Anfangs auch ganz gut aus, dass böse erwachen kam aber bereits zwei Tage später! Schon beim begehen der Platten ahnte ich übles. Gut 30% aller Platten ließ sich einfach abheben, so als ob nie etwas geklebt wurde.

Bevor es an die Schadensbehebung ging, musste ich erst den halben Tiergarten aus meiner stark beschädigten Gartenbau-Seele fluchen. Danach wurden die Platten abgehoben und die Mörtelreste mühsam mit Hammer und Meißel herausgeklopft.

Zu guter letzt musste noch der Staubsauger herhalten und schon war der Vormittag gelaufen. Eigentlich wollte ich bis dato schon den restlichen Abgang gelegt haben.

Die herausgenommenen Bruchplatten wurden dann mit einer dicken Schicht Fließenkleber eingeklebt. Das sollte halten und der Sack, der eigentlich für das komplette Projekt gereicht hätte, war dann natürlich auch schon aufgebraucht. Also ab in den Baustoffhandel und einen weitere Sack besorgt. Was natürlich noch mehr Zeit auffraß.

Für die weiteren Bruchplatten entschied ich mich dann den Einkornmörtel etwas fetter anzumischen, sodass nach meinem empfinden die Bindung zwischen Mörtelbett und Zementschlempe eine bessere Haftung aufwies. Außerdem wurde das Mischungsverhältnis des Drainagemörtels von den echt mageren 1:6 auf beinahe Beton-Fette 1:4 angehoben.

Das Ergebnis war zwar deutlich besser als vorher, aber dennoch lösten sich gut 10% aller verlegten Platten.

Natürlich hätte sich das vermeiden lassen, wenn man den Natursteinkleber mit der Zahnspachtel aufgetragen hätte. Die höheren Kosten wollte ich aber echt nicht aufbringen. Außerdem hielten die alt verlegten Bruchplatten meines Vaters Wind und Wetter stand und das schon seit mehr als 20 Jahren.

Back to Roots

Der untere Teil des Weges wurde wieder „dilettantisch“ mit einer normalen Trasszement-Mörtelmischung Nass in Nass verklebt. Die Plattenunterseite wurde natürlich wieder mit einer Zementschlempe (auch aus Trass) nach guter alter Sitte eingeschmiert.

Und siehe da, alles hielt dann Bombenfest und konnte ein paar Tage später ohne weitere Nacharbeit und zum Wohle meines Nervenkostüms verfugt werden.

Verfugt wird mit einer Mischung aus Trasszement und Quarzsand im Verhältnis 1:2, anschließend wurde mit einem Fliesenleger-Waschset (Amazon) das überschüssige Fugenmaterial abgewaschen.

5 harte Winter später

Bisher hält noch alles Bombenfest und die anfänglichen Haarrisse, die an vereinzelten Stellen gleich nach dem Verfugen entstanden sind, wurden über die Jahre nicht größer. Selbst der Winter, der in unseren breiten nicht selten Minus 20 Grad und mehr besitzen kann, hat daran etwas ändern können. Die kleinen Risse entstanden, als ich meinte bei 30 Grad und Sonnenschein zu verfugen. Ich dachte noch ein permanentes Feucht halten nach dem Verfugen, könnte dieses Problem umgehen. Dem war aber leider nicht so.

Anderorts, dort wo die Sonne nicht so erbarmungslos schien, blieben diese Haarrisse aus. Bisher gab es keine großen Risse, Abplatzungen oder lose Platten, nur Dreck durch die anfallende Gartenarbeit und der allgemeinen Verwitterung.

Was man aber tunlichst vermeiden sollte, ist das benutzen von Streusalz. Hier kann es zu Abplatzungen an den Fugen und am weichen Quarzit kommen. Generell ist Salz der Tod für weiche Naturmaterialien, dass sollte man vor dem Verlegen immer bedenken.

Pflege?

Bisher geschah diesbezüglich so gut wie gar nichts, nach langem überlegen habe ich mir einen Bosch Hochdruckreiniger gegönnt (Amazon), der kam aber noch nicht zum Einsatz. Dennoch habe ich mir für heuer vorgenommen den Quarzit zu reinigen und vor allem in irgendeiner Form einzulassen. Das Ergebnis werde ich natürlich in einem gesonderten Artikel posten…irgendwann.

3 Gedanken zu “Wie jetzt, echt so aufwendig? Einfache Polygonalplatten Verlegung und die Jahre danach.”

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